Präklinische Polytraumaversorgung und Technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen

Die Anforderungen an Rettungskräfte, gerade im Bereich der technischen Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen, sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Innovative Sicherheitssysteme in Kraftfahrzeugen sowie Neuerungen im Bereich der notfallmedizinischen Versorgung veranlassten die Rettungskräfte zu einer Anpassung ihrer Vorgehensweisen.
Um organisationsübergreifend für eine einheitliche Ausbildung zu sorgen, wurde unter Mitwirkung von Deutschem Roten Kreuz, ProMedic, Arbeiter Samariter Bund, Diakonissenkrankenhaus Rüppurr und der Feuerwehr Ettlingen am 10.10.2015 eine Fortbildungsveranstaltung mit rund 100 Teilnehmern abgehalten. Unter anderem konnten angehende Notärzte und Rettungsassistenten im Praktikum wichtige Erkenntnisse für ihre spätere Arbeit gewinnen.

Notarztfortbildung web

Eröffnet wurde der fünfte gemeinsame Fortbildungstag durch den stellvertretenden Abteilungskommandanten der Feuerwehr Ettlingen Martin Baureithel und den Bürgermeister der Stadt Ettlingen Thomas Fedrow, welcher allen Rettungskräften für ihre oft schwierige und verantwortungsvolle Arbeit dankte.
Im Theorieteil referierte Dr. Michael Reindl vom Diakonissenkrankenhaus Karlsruhe-Rüppurr zum Thema Polytrauma. Es wurden neue Erkenntnisse zum Vorgehen in der notfallmedizinischen Versorgung von Polytraumapatienten, der „golden period of trauma“ und dem Zeitmanagement aus der Sicht eines Notarztes vorgestellt. Die Festlegung der Art sowie Dringlichkeit der Rettung durch den Notarzt bildet die Grundlage für die Befreiung von Verunfallten mit Rettungsgeräten der Feuerwehr.

Um den Teilnehmern vom Rettungsdienst einen Überblick über Ausrüstung und Vorgehensweise der Feuerwehr bei Verkehrsunfällen zu geben, referierten anschließend Martin Baureithel und Marcel Früh von der Feuerwehr Ettlingen über die technischen Möglichkeiten zur Befreiung von Personen aus Unfallfahrzeugen. Die Schwerpunkte wurden hierbei auf die Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und Feuerwehr, die Ordnung des Raumes an der Einsatzstelle, Grundkenntnisse im Umgang mit hydraulischem Rettungsgerät und besonders auf Gefahren für Rettungskräfte gelegt. Hierfür wurden auch kurz die komplexen sicherheitstechnischen Einrichtungen in modernen Kraftfahrzeugen angesprochen, welche ein umsichtiges Arbeiten an den Unfallfahrzeugen erforderlich machen.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen konnten die Teilnehmer anhand zweier Unfallszenarien die zuvor im Theorieteil angesprochenen Vorgehensweisen anwenden.
Notarztfortbildung1 web

In beiden Übungsszenarien lag jeweils ein Fahrzeug auf der Längsseite und eines befand sich in Normallage, aber mit deformiertem Dach. Insgesamt mussten sechs Personen mit lebensbedrohlichen Verletzungen versorgt und befreit werden. Hierbei wurde besonders auf klare Absprachen an den Schnittstellen zwischen den Rettungsorganisationen geachtet. Begleitet wurden die Übungen von erfahrenen Kollegen, welche den größtenteils jungen Übungsteilnehmern ein konstruktives Feedback geben konnten. Im Anschluss an die zwei Einsatzübungen erhielten die Teilnehmer des Rettungsdienstes Gelegenheit, den Umgang mit hydraulischen Rettungsgeräten der Feuerwehr üben und bekamen somit ein realistisches Gefühl für die Arbeit der Kollegen.

Am Ende des achtstündigen Übungstages zogen alle Beteiligten ein positives Resümee und konnten für ihre weitere Arbeit viele neue Erfahrungen mitnehmen. Ein besonderer Dank gilt Dr. Michael Reindl und Martin Baureithel für die Organisation dieses gemeinsamen Ausbildungstages sowie den Chefärzten Dr. Arldt,
PD Dr. Sturm und Prof. Dr. Hartwig für die freundliche Unterstützung der Veranstaltung.

Notarztfortbildung2 web