Das Krankenhaus war „früher“ ein Ort, an dem man davon ausging, ärztlichem Ethos und barmherzigen Schwestern zu begegnen. Heute scheinen immer stärker die Regeln der Wirtschaftlichkeit das Gesundheitswesen zu bestimmen. Manche befürchten eine Aushöhlung der Medizin und der Pflege durch das Paradigma der Ökonomie. Der Spagat zwischen Ökonomie und Ethik, zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung ist insbesondere in einem christlichen Krankenhaus tatsächlich eine ständige Herausforderung. Wie können Wirtschaftlichkeit und Barmherzigkeit zusammengehen? Um diese Spannung geht es in einer von der Ev. Diakonissenanstalt Karlsruhe-Rüppurr im Herbst veranstalteten Vortragsreihe.

Der erste Abend am 20.9.2016 beschäftigt sich mit dem Wertewandel in unserer Gesellschaft. Das Diak möchte auch als Arbeitgeber für junge Menschen attraktiv bleiben, denn das wichtigste Kapital in einem Krankenhaus und in einem Pflegeheim sind die Menschen, die hier arbeiten. Aber wie tickt die Jugend heute? Dipl. päd. Peter Martin Thomas gibt Antworten auf dem Hintergrund der neuesten Sinus-Studie.
Wertschätzung und Barmherzigkeit können im Krankenhaus aber nicht nur Aufgabe des Einzelnen sein. Das würde die Mitarbeitenden überfordern. Das „Unternehmen Krankenhaus“ muss dafür die Voraussetzungen schaffen. Wie geht das? Ist ethisch orientiertes Handeln im Gesundheitswesen überhaupt noch möglich? Prof. Dr. Bernd Noll gibt einen Einblick in eine zeitgemäße Unternehmensethik am 27.10.2016.
Die größte Berufsgruppe im Krankenhaus sind die Pflegekräfte. Sie treffen tagtäglich ethische Entscheidungen. Welchem Patienten widme ich wie viel meiner knappen Zeit? Wie gehe ich damit um, wenn ich merke, dass meine Zeit nicht reicht, um dem Patienten gerecht zu werden? Was brauchen wir für eine wertschätzende Pflege? Prof. Hans-Ulrich Dallmann stellt die Frage: „Pflege 2030 – Fließband oder patientenorientierte Behandlung?“ am 23.11.2016.
Die Vorträge finden jeweils um 19 Uhr im Veranstaltungssaal des Diakonissenkrankenhauses, Diakonissenstraße 28, 76199 Karlsruhe-Rüppurr, statt. Der Eintritt ist frei.