Komplikationen - Was wird getan um Komplikationen zu vermeiden?

Trotz größter Sorgfalt kann es bei jeder Operation zu Komplikationen kommen. Die für Ihre Operation spezifischen, „typischen“ Komplikationen wird Ihr Arzt in einem Vorgespräch mit Ihnen besprechen. Einige Risiken haben aber alle Operationen gemeinsam:

Wundinfekt und Wundheilungsstörung

Die Haut des Menschen ist immer mit Bakterien besiedelt. Diese werden zu einem sehr großen Teil durch die chirurgische Haut-Desinfektion im Bereich des OP-Gebietes abgetötet und können so nicht in die Wunde gelangen. Um zu verhindern, dass Keime von der Haut der Operateure die Wunde infizieren, nimmt jeder Chirurg vor jeder OP eine standardisierte Händedesinfektion vor und trägt zudem sterile, also keimfreie Handschuhe und Schutzkleidung. Auch die Instrumente sind sterilisiert. Zudem kann man durch eine Antibiotika-Infusion kurz vor der Operation verhindern, dass sich Bakterien, die bereits im Blutkreislauf vorhanden sind oder z. B. bei einer Darm-Operation im Bauchraum verteilt werden können, festsetzen und vermehren. Nach der Operation helfen regelmäßige Verbandswechsel und Wunddesinfektionen dabei, eine Wundheilungsstörung zu verhindern bzw. sie rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln.

Verletzung benachbarter Strukturen

laparoskopie

Kommt es bei der Operation zu einer Verletzung von Organen, die in der Nähe des erkrankten Gewebes liegen, kann man meistens direkt darauf reagieren. Das Risiko, etwas zu verletzen, das eigentlich geschont werden sollte, ist z. B. bei Notfalloperationen, bei schweren Entzündungen oder, wenn bereits zuvor im entsprechenden Gebiet eine Operation durchgeführt wurde, so dass sich die Anatomie verändert, erhöht. Werden kleinere Gefäße verletzt, können sie mit Hitze und Elektrizität verödet werden oder sie werden vernäht, so dass keine Blutung entsteht. Andere Gefäße aus der Nachbarschaft übernehmen dann ihre Funktion. Auch Verletzungen von Darm, Muskelgewebe oder anderen Organen können sofort versorgt werden. Da man bei der OP direkt vor Ort ist, bleiben solche Verletzungen nur selten unentdeckt und fallen dann erst durch Komplikationen im Verlauf auf.

Blutung, Nachblutung, Transfusion

Kleinere Gefäße werden direkt nach ihrer Durchtrennung verschlossen. Dies passiert je nach Größe und Lage eines Gefäßes mit Hitze und Elektrizität oder klassisch mit Nadel und Faden. So werden kleinere Blutungen sofort gestoppt. Diese Methoden und genaue Kenntnis der Anatomie haben die meisten Operationen heutzutage sehr „unblutig“ gemacht. Größere Blutverluste oder die Notwendigkeit einer Bluttransfusion sind selten geworden. Dennoch wird vor vielen Operationen Ihre Blutgruppe getestet. So kann man, sollte es zu einer größeren Blutung kommen, direkt reagieren und eine Transfusion durchführen. Transfusionen sind mittlerweile ebenfalls sehr sicher. Aufwändige Tests des gespendeten Blutes verhindern größtenteils die Übertragung von Hepatitis- und HIV-Erregern, so dass lediglich ein minimales Restrisiko bleibt.

Thrombose, Embolie

Eine Operation verändert den gesamten Organismus. Sie werden zumindest Anfangs weniger mobil sein als üblich, im Körper passieren Entzündungs- und Heilungsvorgänge, der Flüssigkeitshaushalt kommt aus dem Gleichgewicht (z. B. durch Infusionen oder eine gestörte Nahrungsaufnahme), Sie bekommen neue Medikamente und einiges mehr. Diese Veränderungen führen zu einem erhöhten Thromboserisiko. Die Fließeigenschaften und die Zusammensetzung des Blutes verändern sich, so dass es innerhalb von Gefäßen, meistens in den Venen der Beine, zur Bildung von Blutgerinnseln kommen kann. So kann eine Durchblutungsstörung im Bein selbst entstehen, wenn sich vom Gerinnsel etwas löst, kann es auch zur Embolie kommen. In diesem Fall können Gefäße der Lunge verschlossen werden, was zu weiteren Komplikationen wie Atemnot oder Lungenentzündung führen kann. Handelt es sich um große Gerinnsel, die ihrerseits große Lungengefäße verschließen, kann das sogar eine lebensgefährliche Notfallsituation werden. Um einer Thrombose und ihren Komplikationen vorzubeugen erhalten Sie eine Prophylaxe in Form einer Spritze, die einmal täglich unter die Haut gegeben wird.

Blutverdünnung

Nach gefäßchirurgischen Operationen ist meistens eine zusätzliche medikamentöse Hemmung der Blutgerinnung nötig. Hierzu müssen Tabletten oder Spritzen zumindest für einen gewissen Zeitraum, zum Teil auch dauerhaft gegeben werden. Zum Einen verhindert dies den erneuten Verschluss der Blutgefäße zum Anderen birgt diese notwendige Therapie auch das erhöhte Risiko einer Blutung. Das kann bedeuten, dass Sie empfindlicher werden für die Entstehung von „blauen Flecken“, wenn Sie sich z. B. irgendwo stoßen, auch können kleinere Verletzungen zu einer verlängerten Blutungszeit führen und es können Blutergüsse entstehen, die auch anfälliger für Infektionen sind. Gleiches gilt beispielsweise auch für Nasen- oder Zahnfleischbluten. Je nach der Stärke der Blutverdünnung, die nach Ihrer Operation nötig wird, kann es sinnvoll sein, zuvor z. B. eine Untersuchung des Gehirns oder der Augen durchführen zu lassen um abschätzen zu können, ob durch eine Beeinträchtigung der Blutgerinnungsfunktion eine riskante Blutung zu erwarten ist. Ihr Arzt wird Sie in einem Vorgespräch beraten ob und welche Art der Blutverdünnung für Sie notwendig wird.

Qualitätssicherung

Um regelmäßig durchgeführte Operationen noch sicherer zu machen, beteiligen wir uns an der teilweise deutsch-landweiten Erfassung von Kerndaten zu Ihrer Operation. So werden unter anderem bei Gallenblasenentfernungen, Bruchoperationen wie z. B. beim Leistenbruch oder bei Druckgeschwüren Informationen zur OP-Dauer, dem intraoperativen Befund, verwendeten Materialien oder ähnlichem dokumentiert. Diese Daten können regelmäßig ausgewertet werden, so dass es einfacher ist, abzuschätzen ob ein Standard erfolgreich ist: Wurden unterschiedliche Materialien verwendet um einen Leistenbruch zu verschließen und sind vielleicht bei einem bestimmten Produkt gehäuft Komplikationen aufgetreten? Wenn ja, gibt es andere Zusammenhänge z. B. durch einen bestimmten Risikofaktor? Diese Daten werden dabei ebenso sensibel im Rahmen des Datenschutzgesetzes behandelt, wie alle übrigen Informationen über Ihren Gesundheitszustand und Ihre Person.

Teamarbeit und Standardisierung

Damit Ihre Operation gelingt und das Risiko für Fehler und Fehlentscheidungen minimiert wird, wird jede Operation im Team besprochen. Experten aus verschiedenen Fachrichtungen machen sich mit Ihrem Fall vertraut und können so gemeinsam die optimale Therapie für Sie finden. Bis Sie dann tatsächlich operiert werden, sind Ihre Befunde, Ihre Vorgeschichte und alle Details zu Ihrer Gesundheit sprichwörtlich durch „viele Hände“ gegangen und auch am Tag der Operation wird nochmals alles gegengecheckt, die Fakten zusammengetragen und überprüft. Wundern Sie sich deshalb nicht, wenn wir ähnliche Fragen mehrfach stellen und verschiedene Klinikmitarbeiter mit ähnlichen Anliegen auf Sie zukommen. Letztlich dient dies Ihrer Sicherheit und der Optimierung Ihrer Therapie. Beispielsweise werden Sie allein am OP-Tag vor Betreten des Operationssaales von mindestens drei Personen nach Ihrem Namen und Ihrer Erkrankung gefragt. Dies bedeutet nicht, dass schnell mal jemand verwechselt wird oder die falsche Operation am falschen Patienten durchgeführt wird, diese standardisierten Überprüfungen helfen Fehler zu eliminieren.