Die Niere ist eines der wenigen Organe, deren Funktion apparativ imitiert werden kann. Bei Niereninsuffizienz, also einer nicht mehr ausreichenden Nierenfunktion, kann das üblicherweise in der Niere gereinigte Blut aus dem Körper heraus und über einen Filter geleitet werden. Hier werden dem Blut in komplexen chemischen und physikalischen Prozessen Giftstoffe und Wasser entzogen (Dialyse). Um das Blut aus dem Körper heraus, aber nach Reinigung auch wieder in den Blutkreislauf zurückzuführen, muss ein Blutgefäß angezapft werden. Da der Reinigungsvorgang einige Zeit dauert und das gesamte Blut einmal „gewaschen werden“ soll, ist hierfür ein größerer Fluss notwendig als ihn z. B. eine oberflächliche Vene unter der Haut bieten könnte, wie man sie zur Blutentnahme für Laboruntersuchungen verwendet. Außerdem verursacht jede Punktion einer solchen Vene einen Entzündungsreiz, so dass diese kleinen Gefäße schnell vernarben und dann nicht mehr zur Punktion zur Verfügung stehen. Um die regelmäßige Punktierbarkeit und einen ausreichenden Blutfluss zu gewährleisten, kann ein „Shunt“, also eine Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene angelegt werden. Das Blut fließt den Weg des geringeren Widerstandes zu einem Großteil in die neu angeschlossene Vene, die sich nach einiger Zeit außerdem über eine längere Strecke erweitert. Hier kann dann mehrfach punktiert werden und das Blut kann durch den erhöhten Fluss nach der Dialyse schneller wieder in den Körper zurückgeführt werden.      arterie verbunden 
arterien oberarm    

Wie sieht die Operation aus?

Vorzugsweise wird eine Armarterie mit einer Armvene verbunden. Durch den höheren Blutdruck in der Arterie bläht sich die Vene auf, sodass entweder im Bereich des Unter- oder des Oberarmes eine Strecke von mehreren Zentimetern entsteht, auf der das Gefäß problemlos für die Dialyse punktiert werden kann. Um die Beweglichkeit (insbesondere während der Dialyse) nicht allzu sehr einzuschränken wird man, wann immer möglich, den Shunt nicht am dominanten Arm anlegen. Sind Sie also Rechtshänder, empfehlen wir die Shuntanlage links, wenn das anatomisch und technisch möglich ist. Während der Dialyse würde es sonst schwierig für einen Rechtshänder z. B. etwas zu schreiben oder sonst zu hantieren, wenn der Shuntarm ruhig gehalten werden muss.

Meistens können Shuntanlagen ambulant in Leitungsanästhesie durchgeführt werden. Sie kommen am Morgen in die Klinik, werden operiert, wobei nur der Arm betäubt wird und wenn Sie sich wohl fühlen, können Sie am Mittag bis Nachmittag nach Hause gehen.

Kann man den Shunt direkt nach Anlage punktieren?

Möglich ist eine direkte Punktion prinzipiell schon. Allerdings empfiehlt es sich, erst nach Abheilung der Wunde und der inneren Nähte (ca. 6 Wochen) mit der Punktion zur Dialyse zu beginnen. Dann hatte die Shuntvene auch Zeit zu „reifen“, also sich weiter aufzudehnen, so dass die Punktion noch einfacher und sicherer wird. Es ist also sinnvoll die Shuntanlage bereits zu planen, wenn eine Dialysepflichtigkeit absehbar ist, oder die Dialyse noch über einen Katheter durchgeführt wird.

Was kann man tun, wenn keine Vene zur Shuntanlage zur Verfügung steht?

Wenn sich keine geeignete oberflächliche Vene findet, z. B., wenn die Venen von vielen Blutentnahmen schon sehr vernarbt sind, besteht die Möglichkeit die Arterie an eine Kunststoffprothese anzuschließen. Diese ist ebenfalls durch die Haut gut tastbar und wird, um das Blut wieder in den Körper zurückzuleiten, an eine Vene angeschlossen, die vielleicht weiter in der Tiefe liegt, so dass hier noch keine Thrombosierungen oder Vernarbungen stattgefunden haben.

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