leber und nachbarorganeIst eine Operation an der Leber notwendig ist meistens ein Tumor oder eine Entzündung der Grund. Raumforderungen in der Leber können verschiedenen Ursprungs sein. Wird z. B. im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung oder bei einer Computer- oder Magnetresonanztomografie ein Herd in der Leber gefunden, kann man oft schon anhand der Bildgebung und in Zusammenschau mit den Symptomen des Patienten und seiner Vorgeschichte in etwa einschätzen ob es sich um einen gutartigen oder einen bösartigen Befund handelt. Letzte Sicherheit erhält man aber nur durch die Begutachtung durch einen Pathologen, der die veränderten Zellen von entferntem Lebergewebe unter dem Mikroskop untersucht.

Was ist das Besondere bei der Leberchirurgie?

Die Leber hat eine einzigartige Eigenschaft unter den inneren Organen: Sie kann auch noch im Erwachsenenalter weiterwachsen. Ist es notwendig, mit einer Operation einen Teil der Leber zu entfernen, kann der verbliebene Rest bis zu 90 % des fehlenden Gewebes durch Wachstum wieder ersetzen. Das ermöglicht es dem Leberchirurgen, auch größere oder mehrere Resektionen durchzuführen.

Wirkt es sich auf die Verdauung aus, wenn ein Teil der Leber fehlt?

Von einer prinzipiell gesunden Leber kann man bis zu 2/3 des Organs entfernen. Das Wachstum des verbliebenen Teils ist in den ersten zwei Wochen nach der Operation am schnellsten, langfristig sind keine Verdauungseinschränkungen zu erwarten. Das Fehlen eines Teils Ihrer Leber spüren Sie nach großen Leberresektionen anfangs als Abgeschlagenheit und Schlappheit. Natürlich hält dieser Zustand nicht die gesamten zwei Wochen an, sondern wird von Tag zu Tag besser, aber einige Patienten berichten, die zunächst langsamere Stoffwechselfähigkeit der Restleber spüren zu können. Auch wenn nur kleinere Leberanteile entfernt werden, regeneriert sich das verbliebene Gewebe in der Zeit nach der Operation. Hier wäre es besonders wichtig auf Alkohol und andere giftige Substanzen zu verzichten um den Erholungsprozess nicht zu behindern.

Was sind Lebermetastasen?

Oft sucht man gezielt nach Veränderungen der Leber, wenn an anderer Stelle ein bösartiger Tumor diagnostiziert wurde. Die Leber ist ein sehr gut durchblutetes Organ und als solches Ziel von Tumorzellen, die im Blutkreislauf zirkulieren. Die Filterfunktion des Lebergewebes fängt einzelne Zellen ab, die sich in der Leber festsetzen und dort weiterwachsen - es entsteht eine Metastase. Häufig ist das bei Tumoren des Dickdarms möglich, aber prinzipiell können die verschiedensten Krebsarten Lebermetastasen bilden.

Sollten auch gutartige Lebertumore operiert werden?

Zunächst sollte man ganz sicher sein, dass es sich bei dem Herd tatsächlich um einen gutartigen Befund handelt. Bei Unsicherheit ist eine Operation immer anzuraten. Konnte aber z. B. durch eine Punktion durch die Haut eine Probe bereits eindeutig untersucht werden, oder gibt es typische Zeichen für einen gutartigen Befund in der Bildgebung, hängt es von Ihren Beschwerden ab, ob eine Operation dennoch angezeigt ist. Auch Lebertumore, die kein Krebs sind, können Symptome machen, indem sie z. B. durch ihr Größenwachstum Gallengänge abdrücken, so dass es zum Gallestau kommt und vielleicht sogar zu Entzündungen der Gallenwege. Es gibt gutartige Wucherungen des Lebergewebes selbst, aber auch der Blutgefäße, die die Leber durchziehen (Hämangiome). Diese haben ab einer gewissen Größe, insbesondere, wenn sie nah an der Leberoberfläche liegen ein gewisses Rupturrisiko: bei Stößen im Bauchbereich, bei einer Schwangerschaft, oder einfach spontan können sie einreißen und zu teilweise gefährlichen Blutungen führen. Außerdem können auch gutartige Tumore so groß werden, dass sie schmerzhaft die Leberkapsel aufspannen. Dies kann ebenfalls ein Grund sein, trotzdem eine Operation zu empfehlen.

Wie sieht die Operation aus?

Kleinere Lebereingriffe können minimalinvasiv durchgeführt werden. Das Lebergewebe wird dabei mit einem Klammernahtgerät oder mittels Ultraschall bzw. elektrisch mit durch Strom erzeugter Hitze durchtrennt, wobei kleine Blutgefäße und Gallenwege direkt verschlossen werden können. Ist eine größere Leberresektion notwendig, erfolgt diese meist über einen Hautschnitt im rechten Oberbauch, in Form eines spiegelverkehrten „L“. Von hier aus kann man gut alle Gefäße und die großen Gallengänge erreichen und hat auch die Möglichkeit Lebergewebe zu tasten oder z. B. direkt auf der Leber eine Ultraschalluntersuchung durchzuführen um die Lage der zu entfernenden Befunde und ihren Bezug zu benachbarten Gefäßen und Gallenwegen einschätzen zu können. Unabhängig von der Größe des zu resezierenden Leberabschnitts sollte bei Operationen an der Leber immer auch die Gallenblase entfernt werden. Manipulationen am Gallenwegssystem führen nach einer Operation sehr häufig zu Gallenblasenentzündungen. Indem man die Gallenblase direkt entfernt, kann man verhindern dass kurz nach einer Leberoperation eine zweite OP zur Entfernung der Gallenblase notwendig wird.

Je nach Größe des entfernten Leberanteils und entsprechend der Grunderkrankung ist mit einem Krankenhausaufenthalt von 5-14 Tagen zu rechnen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Wie bereits erwähnt, kann es kurz nach einer größeren Leberresektion (z. B. nach einer Hemihepatektomie, wobei die Hälfte der Leber entfernt wird) zu einer Verlangsamung des Stoffwechsels kommen, den Sie als Abgeschlagenheit und allgemeine Schwäche spüren. Kann der verbliebene Leberanteil die fehlende Stoffwechselakapazität nicht kompensieren, ist in seltenen Fällen sogar in Leberversagen möglich.

Die Leber ist ein sehr gut durchblutetes Organ. Daher ist das Blutungsrisiko besonders zu erwähnen. Allerdings hat die moderne Leberchirurgie vielzählige Methoden entwickelt, das Risiko einer relevanten Blutung zu minimieren. Hierzu gehören speziell für die Leberchirurgie entwickelte Instrumente, genaue Kenntnis der Anatomie der Leber und besondere Narkoseverfahren. Die Notwendigkeit einer Transfusion ist heutzutage eher die Ausnahme.

An der Absetzungsfläche kann es trotz sorgfältiger OP-Technik zu Nachblutungen oder zur Leckage von Galle kommen. Wenn sich solche Flüssigkeiten sammeln, besteht das Risiko, dass sich darin Bakterien vermehren und sich ein Abszess bildet. Es wird in dem Fall eine Drainage durch die Haut in den Abszess gelegt, so dass dieser abfließen kann, es kann aber auch sinnvoll sein in einer weiteren Operation die Entzündung auszuspülen und deren Ursache zu beheben (z. B. durch Übernähung eines undichten Gallengangs oder Blutgefäßes).

 

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