pankreas und nachbarorganeDie Bauchspeicheldrüse liegt in der Mitte des Bauches. Schmerzen bei chronischer Entzündung, Tumore oder Verletzungen können hier eine Operation notwendig machen. Das Pankreassekret ist für die Verdauung von fett-, stärke- und eiweißhaltiger Nahrung wichtig. Es enthält Enzyme, die die Nahrung in kleinste Teile spalten, die von unseren Zellen aufgenommen werden können. Daher ist es auch sinnvoll, dass der Bauchspeicheldrüsengang direkt in den Zwölffingerdarm mündet. So kann sich das Sekret gleich nach der Aufnahme von Nahrung in den Magen mit dem Speisebrei vermischen und das Beste daraus herausholen. Ebenso wird der Zuckerstoffwechsel über die Bauchspeicheldrüse und die darin gebildeten Hormone, allen voran das Insulin, gesteuert.

Was ist das Besondere an der Pankreaschirurgie?

Das Pankreas ist ein sehr empfindliches Organ. Es hat keine feste Kapsel wie Leber oder Milz, keine Muskelschicht wie Magen oder Darm. Die funktionellen Zellen liegen von einer dünnen bindegewebigen Hülle umgeben im mittleren Oberbauch vor der Wirbelsäule. Möchte man also einen Teil der Bauchspeicheldrüse entfernen oder vernähen ist dies recht schwierig und verlangt viel Fingerspitzengefühl.

Wie verändert sich die Verdauung, wenn ein Teil der Bauchspeicheldrüse fehlt?

Den meisten Patienten reicht das verbliebene Gewebe für eine normale Verdauung vollkommen aus. Ist die Bauchspeicheldrüse aber chronisch entzündet oder durch einen Sekretstau bereits vorgeschädigt, kann es sein, dass Sie insbesondere in der ersten Zeit nach der Operation stark fetthaltige Nahrung nicht gut vertragen. Es kann zu Blähungen und Durchfällen mit Bauchschmerzen kommen. Sobald Sie nach der Operation wieder anfangen normal zu essen, kann man abschätzen, ob der Rest der Bauchspeicheldrüse seine Arbeit tut, oder ob er Unterstützung braucht. Üblicherweise bekommen Sie nach der Operation zunächst Pankreasenzyme als Kapsel ersetzt um einen Mangel gar nicht erst aufkommen zu lassen. Hat sich die Verdauung nach der OP wieder eingependelt, kann man versuchen, diese wieder auszuschleichen. Meist ist langfristig kein Ersatz notwendig. Natürlich sollten Sie nach einer Bauchspeicheldrüsenoperation auf Alkohol und andere giftige Substanzen verzichten.

Werde ich durch die Operation Diabetiker?

insulinHier verhält es sich ähnlich wie mit der Fett- und weiteren Verdauung. Meist reicht das verbliebene Pankreas um die Zuckerregulation aufrecht zu erhalten. Ist dies nicht der Fall, fällt das schon früh nach der Operation auf, sobald Sie wieder anfangen normal zu essen. Durch häufige Blutzuckerbestimmungen kann man abschätzen, ob Sie eine medikamentöse Unterstützung des Stoffwechsels benötigen oder nicht. Muss die gesamte Bauchspeicheldrüse entfernt werden, ist ein Diabetes vorprogrammiert, da nur im Pankreas das für den Blutzuckerhaushalt so wichtige Insulin gebildet wird. Zusammen mit unseren Kollegen von der Klinik für Innere Medizin finden wir ein individuelles Dosierungsschema für Sie, damit Sie ihren Mangel selbst ausgleichen können.

Warum sollte ich mich an der Bauchspeicheldrüse operieren lassen?

Neben der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung spielen gut- und bösartige Tumore der Bauchspeicheldrüse hier eine Rolle. Auch Vorstufen zum Krebs sollten operativ entfernt werden um ihnen keine Chance zur Entartung zu geben. Die enge Nachbarschaft von Gallengang, Zwölffingerdarm und Pankreas macht es manchmal notwendig, insbesondere, wenn es um die Entfernung bösartiger Tumore geht, auch benachbarte Organe mit zu entfernen. Um keine Tumorzellen zurückzulassen, muss alles entfernt werden, was räumlichen Kontakt zum Tumor hat und sich mit dem tumortragenden Gewebe die Blutversorgung und den Lymphabfluss teilt. Sitzt eine Veränderung z. B. im Gallengang oder im Zwölffingerdarm, ist es meistens notwendig, dass auch ein Teil der Bauchspeicheldrüse entfernt wird. Ein weiterer Grund ist die Durchblutung, die sich die genannten Organe teilen, auch möchte man alle zum tumortragenden Organ gehörigen Lymphknoten entfernen, falls es hier bereits zur Metastasierung gekommen ist. Zum Einen sind diese Metastasen dann bereits entfernt, zum Anderen erhält Ihr Arzt so wichtige Informationen über das Tumorstadium und kann die optimale weitere Behandlung für Sie planen.

Wie sieht die Operation aus?

Da bei einer Bauchspeicheldrüsenoperation auch das Gefühl für das Organ und die Beurteilung des Gewebes durch Tasten von großer Bedeutung ist, wird die OP meist mit einem offenen Bauchschnitt im Oberbauch durchgeführt. Wird wegen eines Karzinoms der rechtsseitige Teil der Bauchspeicheldrüse („Kopf“) mit der Mündung ihres Ausführungsganges entfernt, ist meist auch die Entfernung des Zwölffingerdarms und des letzten Endes vom Gallengang notwendig. Hierfür werden neue Verbindungen vom Magen zum Dünndarm, vom Rest der Bauchspeicheldrüse zum Dünndarm und vom Rest des Gallengangs zum Dünndarm geschaffen, damit sich alle Verdauungssäfte wieder wie gewohnt mit der Nahrung vermischen können.

Soll der linksseitige Teil („Schwanz“) entfernt werden, ist keine aufwändige Rekonstruktion notwendig, der Ausführungsgang wird ebenso wie die Absetzungsstelle der Bauchspeicheldrüse vernäht. Allenfalls kann es - insbesondere bei bösartigen Tumoren im Pankreasschwanz - notwendig sein, die Milz ebenfalls zu entfernen. Sie liegt direkt neben der Spitze des Pankreasschwanzes und kann so Kontakt zum Tumor haben. Die Entfernung der Milz ist im Erwachsenenalter folgenlos möglich, es sollten lediglich einige Impfungen durchgeführt werden, da die Milz unter anderem eine Gedächtnisfunktion des Immunsystems erfüllt.

Bei Operationen am Bauchspeicheldrüsenkopf sollte auch die Gallenblase entfernt werden. Manipulationen am Gallenwegssystem führen nach einer Operation sehr häufig zu Gallenblasenentzündungen. Indem man die Gallenblase direkt entfernt, kann man verhindern dass kurz nach einer Operation eine zweite OP zur Entfernung der Gallenblase notwendig wird.

Es ist mit einem Krankenhausaufenthalt von 7-14 Tagen zu rechnen. Tritt ein Diabetes auf, kann es sein, dass die Einstellung mit Insulin etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Welche Komplikationen können auftreten?

Zumindest bei der Kopfresektion werden bis zu 3 neue Nahtverbindungen zwischen Magen, Pankreas, Gallengang und dem Dünndarm geschaffen. Hier kann es zu Undichtigkeiten kommen und Verdauungssekrete können in die freie Bauchhöhle austreten. Das kann dazu führen, dass eine Bauchfellentzündung entsteht oder umgebende Organe gereizt werden. Außerdem können sich in Flüssigkeitskollektionen Bakterien ansammeln und es bildet sich ein Abszess. Es wird in diesem Fall eine Drainage durch die Haut in den Abszess gelegt, so dass dieser abfließen kann, es kann aber auch sinnvoll sein in einer weiteren Operation die Entzündung auszuspülen und deren Ursache zu beheben (z. B. durch Übernähung eines undichten Pankreas- bzw. Gallengangs oder eines Blutgefäßes).

Im Laufe der Zeit kann es außerdem passieren, dass solche neu angelegten Nahtverbindungen vernarben und zu eng werden. Das kann heißen, dass die Verdauungssekrete nicht richtig fließen und es so zu einem Gallestau kommt oder sich die verbliebene Bauchspeicheldrüse entzündet, weil das Pankreassekret nicht in den Darm abfließen kann. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Sie Probleme mit der Nahrungspassage bekommen, wenn sich die Naht zwischen Magen und Dünndarm verengt. Das äußert sich in Völlegefühl bis hin zum erbrechen. In diesem Fall sind häufig endoskopische Verfahren ausreichend um enge/narbige Nähte aufzudehnen oder zu schienen, es kann aber auch noch Monate und Jahre nach der ersten Operation sinnvoll sein eine solche Naht operativ neu anzulegen.

 

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