Die Schilddrüse liegt an der Vorderseite des Halses der Luftröhre auf. Sie besteht aus einem linken und einem rechten Lappen, die in der Mitte verbunden sind. Ihre Aufgabe ist die Produktion von Hormonen, die für den Stoffwechsel notwendig sind und die wiederum andere Drüsen und Organe in ihrer Funktion beeinflussen. Für diese Hormonbildung benötigt die Schilddrüse Jod aus der Nahrung. An der Rückseite der Schilddrüse liegen die Nebenschilddrüsen, vier erbsengroße Organe, deren Hormone hauptsächlich für den Kalziumhaushalt und so für den Knochenaufbau zuständig sind.

schnittfuehrung schilddruesenoperationWarum sollte ich mich an der Schilddrüse operieren lassen?

Bei gutartigen Erkrankungen der Schilddrüse ist es meistens das Hormonungleichgewicht, das einen zum Arzt führt. Überschießendes Wachstum, sog. Knoten im Schilddrüsengewebe können unkontrolliert Hormone produzieren, sodass der Körper insgesamt auf Hochtouren läuft (Blutdruck und Puls sind zu hoch, ebenso die Temperatur, die Hände zittern, der Stoffwechsel funktioniert überschießend, es kommt zu Herzrhythmusstörungen). In diesem Fall, oder wenn andersherum solche Knoten eben keine Hormone produzieren und angenommen werden muss, dass sie ihre Funktion verloren haben, weil sie bösartig entartet sind, ist eine Operation angeraten.

Was ist ein Schilddrüsenknoten?

Wenn die Schilddrüse an einer isolierten Stelle unkontrolliert wächst, entsteht ein „Knoten“, der teilweise auch durch die Haut durch tastbar sein kann. Wie bei anderen Tumoren auch, kann bei der Schilddrüse hierbei genauso eine gut- oder bösartige Erkrankung vorliegen. Deshalb sind zusätzliche Untersuchungen notwendig um herauszufinden ob ein solcher Knoten überhaupt entfernt werden muss. Hier hilft der Ultraschall oder eine sogenannte Szintigrafie weiter. Es wird davon ausgegangen, dass sich bösartige Tumore durch ihre starke Wachstumsrate und Vergrößerungstendenz so sehr vom gesunden Originalgewebe unterscheiden, dass sie die ursprüngliche Funktion nicht mehr wahrnehmen können. Bei der Szintigrafie wird Ihnen radioaktiv markiertes Jod gegeben. Die gesunde Schilddrüse und gutartige Tumore der Schilddrüse (sog. Adenome) nehmen dieses, wie normales Jod aus der Nahrung auch, in ihre Zellen auf und man kann es dort auf einem speziellen Röntgenbild nachweisen. Wo ein Knoten dieses Jod nicht aufnimmt, besteht das Risiko, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt, dessen Zellen ihre Funktion verloren haben und daher kein Jod mehr aufnehmen können. Nun kann eine Punktion helfen, zu differenzieren, ob es sich tatsächlich um Krebs handelt. Allerdings wird dabei z. B. unter Ultraschallkontrolle über eine Nadel nur ein kleines Gewebefragment aus der Schilddrüse abgetragen und unter dem Mikroskop untersucht. Hierbei ist das Risiko recht hoch, dass gerade in dieser Probe kein repräsentatives Gewebe enthalten ist. Führt das zu einer falsch negativen Beurteilung bedeutet das, dass der Pathologe in seiner Probe vielleicht keinen Krebs findet, wenige Millimeter neben der Biopsiestelle wächst aber schon ein bösartiger Tumor. In solchen Fällen wird daher meist eine Operation angeraten.

Soll ich mich auch bei fortgeschrittenem Tumorstadium noch operieren lassen?

Auch bei Befunden in fortgeschritteneren Stadien kann eine Operation sinnvoll sein, wenn z. B. so das Wachstum des Krebses verlangsamt werden kann oder um zu verhindern, dass Beschwerden auftreten, die auf die Größe und Lokalisation eines Tumors zurückzuführen wären. Da am Hals nicht viel Platz ist, wohin die übrigen Organe ausweichen können, kann durch einen großen Prozess das Schlucken oder Atmen erschwert sein oder es werden Nerven verdrängt und irritiert die für die Stimme oder den Speichelfluss zuständig sind. Auch können nach Reduktion der Tumormasse bei einigen Tumorarten durch eine anschließende Therapie mit radioaktivem Jod Mikrometastasen abgetötet werden. Ihr Arzt wird Sie beraten welche Therapie in Ihrem Fall am ehesten zu empfehlen ist.

Was ist eine Struma oder ein Kropf?

Wenn die Schilddrüse sich gleichmäßig insgesamt vergrößert, spricht man von einem Kropf, der so genannten Struma. Ein typischer Auslöser hierfür ist der Jodmangel. Wenn Schilddrüsenhormone vom Organismus benötigt werden, werden Regelkreise in Gang gesetzt, die der Schilddrüse signalisieren, dass vermehrt Hormone gebildet werden müssen. Ist dies auf Grund eines Jodmangels nicht ausreichend möglich (Jod ist essentieller Bestandteil der Schilddrüsenhormone), stellt das wiederum einen Reiz dar, das Schilddrüsengewebe zu vermehren, um so eine gesteigerte Hormonproduktion zu erreichen. Bei weiterhin bestehendem Jodmangel kann auch die größere Schilddrüse den Bedarf nicht decken und das Organ wächst unkontrolliert weiter. Dies kann sowohl zur Über- als auch zur Unterfunktion führen.

Wie sieht die Operation aus?

Über einen ca. 4-5 cm langen Schnitt am Hals (meistens in einer der Halsfalten) kann die Schilddrüse freigelegt und entsprechend des Befundes die halbe oder die ganze Schilddrüse entfernt werden. Bei einer Krebs-Operation oder wenn die gesamte Schilddrüse verändert ist (sog. „Kropf“) ist meist eine totale Schilddrüsenentfernung notwendig. Dabei wird auf die Nebenschilddrüsen geachtet. Können sie nicht an Ort und Stelle erhalten werden, z. B. weil für die Entfernung der gesamten Schilddrüse auch die Durchtrennung der Blutgefäße notwendig wird, wird eine Nebenschilddrüse gezielt entnommen und in einen gut durchbluteten Bereich wieder eingesetzt (z. B. Muskulatur am Unterarm oder Unterschenkel) um deren Funktion nicht zu verlieren. Nach Entfernung der gesamten Schilddrüse ist die lebenslange Hormonersatztherapie notwendig.

Welche Komplikationen können auftreten?

In der Umgebung der Schilddrüse läuft ein Nerv, der für die Stimmbandfunktion zuständig ist. Er sorgt nicht nur dafür, dass die Stimmbänder in einer gewünschten Frequenz schwingen und wir so Vokale aussprechen können (bei einer Verletzung dieses Nerven hört sich die Stimme folglich heiser an), auch ist die Öffnung der Stimmritze für das Einatmen wichtig.

Entsteht ein Bluterguss unter der Haut, ist am Hals nicht viel Platz, wo er sich verteilen und nach und nach vom Körper abgebaut werden kann. Wird ein solcher Bluterguss zu groß, kann dieser Platzmangel zu einer Behinderung beim schlucken, sprechen oder atmen führen. In diesem Fall kann eine zweite Operation helfen, den Bluterguss zu entfernen und so den Druck zu entlasten.

Wie geht es nach der Operation weiter?

Meist ist nur mit geringfügigen Einschränkungen zu rechnen. Wundschmerzen sind mit milden Schmerzmitteln gut zu behandeln und es ist mit einem 2-3 Tage kurzen Krankenhausaufenthalt zu rechnen. Das Nahtmaterial kann meist ca. 5 Tage nach der Operation wieder entfernt werden. Hierfür vereinbaren wir Ihnen gerne vor der Entlassung einen Termin in unserer Sprechstunde.