Medizinische Einrichtungen
Frauenklinik
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Myombehandlung
Es handelt sich um gutartige Geschwülste in der Muskelwandung der Gebärmutter. Sie können durch hormonale Stimulation bei gleichzeitig vorhandener genetischer Veranlagung im Verlauf des fruchtbaren Lebens einer Frau auftreten. Meist machen Myome keine Beschwerden, doch gelegentlich können sie Beschwerden wie immer wiederkehrenden Bauchschmerzen, starke Blutungen verursachen oder zu vergeblichem Kinderwunsch führen. Myome kommen sehr häufig vor, fast jede vierte Frau entwickelt sie im Verlauf ihres Leben (Abb. 1). Damit stellen Myome die häufigsten gutartigen Geschwülste bei der Frau dar.
Weil Myome häufig vorkommen und damit die verursachten Beschwerden ebenfalls sich häufen, haben wir an der Frauenklinik des Diakonissenkrankenhauses ein Kompetenz-Zentrum für die interdisziplinäre Behandlung von Myomen gegründet. Ein solches Zentrum bedeutet die intensive Zusammenarbeit mehrerer Kliniken zum Wohl der Betroffenen – im Diakonissenkrankenhaus arbeiten dafür die Frauenklinik und die Klinik für interventionelle Radiologie eng zusammen. Im Fachkreis beraten wir die Befunde unserer Patientinnen und schlagen ein therapeutisches Konzept für die Behandlung vor, das mit unseren Erfahrungen, den Meinungen von Experten, den Leitlinien der Fachgesellschaften und vor allem den Bedürfnissen der Betroffenen abgestimmt ist. Es entsteht dadurch eine umfassende, qualitativ hochstehende Betreuung für eine jede Betroffene.
Zu Beginn einer jeden Behandlung steht die genaue Diagnostik von Myomen: Durch Tastuntersuchung, Ultraschall und gegebenenfalls weiterführende Bildgebung wie etwa durch Kernspintomografie werden die Größe, Anzahl und vor allem Lage der Myome in der Gebärmutter festgelegt (Abb. 2:). Zur Sicherung der Gutartigkeit des Geschehens werden gelegentlich invasive Schritte wie eine Ausschabung notwendig. Wir informieren unsere Patientinnen über alle vorliegenden Befunde und deren Bedeutung, dann besprechen wir das weitere individuell abgestimmte Vorgehen.
Myome müssen nur dann therapiert werden, wenn sie auch Beschwerden verursachen. Schnell wachsende Myome oder Myome mit Beschwerden wie Druck auf die Blase, starken Blutungen oder vergeblichem Kinderwunsch sind daher behandlungsbedürftig, Myome ohne jegliche Beschwerden sollten nur kontrolliert und nicht behandelt werden.
Ausnahmsweise ist es sinnvoll, beschwerdefreie Myome zu behandeln, wie etwa vor einer geplanten Schwangerschaft, da sie nach Eintritt der Schwangerschaft Probleme bereiten oder ein Geburtshindernis darstellen können.
Hier sind die in unserem Haus angebotenen Behandlungsmöglichkeiten kurz beschrieben:
Grundlage für diese Therapie ist die Unterbrechung des Einflusses von Hormonen auf das Myomwachstum. Vor allem die Östrogene aus den Eierstöcken spielen durch ihre Stimulation von Muskelgewebe eine bedeutende Rolle. Mit Hilfe von Antiöstrogenen, Gelbkörperhormonen (Gestagenen) oder Medikamenten zur Ruhigstellung der Einerstöcke ähnlich wie nach den Wechseljahren (GnRH-Analoga) wird oft eine Verkleinerung des Myoms erreicht. Die Wirkung auf die Myome ist nach Absetzen der Hormone jedoch oft wieder hinfällig.
Bei Patientinnen mit Kinderwunsch oder noch nicht abgeschlossener Familienplanung sollte ein organerhaltendes Vorgehen im Vordergrund stehen. Wenn Myome kurz vor den Wechseljahren Beschwerden machen und der Kinderwunsch abgeschlossen ist, kann überlegt werden, ob zur Beschwerdefreiheit nicht die Entfernung (Hysterektomie) oder Teilentfernung der Gebärmutter (suprazervikale Hysterektomie, vor allem durch Bauchspiegelung) notwendig wird.
Die Entscheidung, ob Myome minimal invasiv oder per Bauchschnitt unter Erhalt der Gebärmutter entfernt werden (Myomenukleation) hängt von der Anzahl, der Größe und der Lokalisation der Myome ab. Bei diesen Operationen muß auf jeden Fall gewährleistet sein, daß ein ausreichender Wundverschluß an der Gebärmutter stattfindet. Denn im Falle einer Schwangerschaft muß die Narbe reißfest sein. Eine sorgfältige Überwachung während der Schwangerschaft und gelegentlich Kaiserschnitt aus Gründen einer Rupturgefahr sind nach solchen organerhaltenden Eingriffen notwendig
Myome unterhalb der Deckschicht (subserös) sowie in der Gebärmutterwandung (intramural) können durch Laparotomie (Bauchschnitt) oder minimal invasiv durch Laparoskopie (Bauchspiegelung) entfernt werden. Sollten Myome Kontakt zur innersten Schicht der Gebärmutterhöhle haben (submukös), lassen sie sich auch durch Einsatz eines Endoskops mit einer Art Elektroschlinge entfernen (Myomabtragung durch Gebürmutterspiegelung, Hysteroskopie).
Eine Eröffnung der Bauchhöhle ist bei großen Myomen, bei ungünstigen Lage und bei vielen Myomen in der Gebärmutterwand notwendig. Denn ansonsten ergibt sich kein sicherer Wundverschluß, der im Falle einer Schwangerschaft dem erhöhten Druck auf die Gebärmutterwand standhalten kann. Wenn es sich um eine Vielzahl von Myomen handelt, sind der Bauchspiegelung Grenzen gesetzt. Laparoskopie (Myomentfernung durch Bauchspiegelung): Bevorzugt wenden wir dieses wenig belastende minimal-invasive Verfahren an: Es erlaubt bei hohem technischem Aufwand und großer Erfahrung der Operateure eine exzellente Qualität der operativen Eingriffe. Der Zugang geschieht meist durch Bauchspiegelung durch den Nabel (laparoskopisch) oder durch die Scheide (vaginal). Die Vermeidung eines Bauchschnittes erlaubt es den meisten Frauen innerhalb kurzer Fristen uns wieder zu verlassen. Vorteile der "minimal invasiven" Chirurgie sind eine schnelle Erholungszeit und Heilungsphase. Komplikationen sind bei hoher Erfahrung des Operateurs sehr gering. Sollten sie dennoch auftreten, können die allermeisten Komplikationen schon während der Operation erkannt und ebenfalls durch Bauchspiegelung behoben werden (Link auf Youtube: Myomentfernung).
Da diese Methode in unserem Zentrum bevorzugt angewandt wird, sei sie hier näher beschreiben (Abb. 4: Laparoskopische Myomoperation). Während der Bauchspiegelung wird das Myom aus der Gebärmutter herausgeschält, anschließend zerkleinert und über eine der für die Instrumente in den Bauchdecken verwendeten Hülsen (Trokare) entfernt. Bei großen Myomen bzw. mehreren Myomen bereitet der Wundverschluß gelegentlich Schwierigkeiten, dann muß entgegen der ursprünglichen Planung die Operation durch einen kleinen Unterbauchschnitt beendet werden. Die Dauer des Eingriffes beträgt je nach Schwierigkeitsgrad (Größe, Lage und Anzahl der Myome) zwischen 45 und 180 Minuten. Der Blutverlust beträgt ist sehr gering, so dass auch bei sehr schlechten Ausgangswerten meist keine Bluttransfusion gegeben werden muß. Die Krankenhausverweildauer nach dem Eingriff beträgt durchschnittlich weniger als 5 Tage.
Submuköse Myome (in Nähe der Gebärmutterhöhle) können durch Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) von der Scheide aus entfernt werden (Abb. 5: Hysteroskopische Myomentfernung). Mit einer elektrischen Schlinge können in die Gebärmutter hineinragende submuköse Myome unter Sicht während einer Gebärmutterspiegelung schrittweise abgetragen werden. Die einzelnen Myomanteile werden dann mit einer Kürette, einer Fasszange oder mit der Schlinge entfernt.
Bei Patientinnen mit abgeschlossener Familienplanung wird meist die Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) durchgeführt. Diese wurde bis vor einigen Jahren entweder durch Bauchschnitt (abdominal) oder über die Scheide (vaginal) vorgenommen. Heutzutage muß nur noch selten ein Bauchschnitt zur Gebärmutterentfernung bei Myomen durchgeführt werden. Eine Gebärmutterentfernung kann entweder durch Bauchspiegelung oder durch die Scheide (vaginal) durchgeführt werden, somit weitaus geringer die Betroffene belasten. An unserem Zentrum für Myombehandlung werden Entfernungen der Gebärmutter mit Myomen bevorzugt durch die sogenannte laparoskopisch assistierte suprazervikale Hysterektomie (LASH, Entfernung der Gebärmutter durch Bauchspiegelung unter Belassen des Gebärmutterhalses) durchgeführt.
Seit 2002 wird diese Operation zunehmend an der Frauenklinik mit einer sehr geringen Komplikationsrate durchgeführt (Abb. 6: LASH-Operation). Die Eierstöcke können meistens erhalten bleiben, so dass die hormonelle Situation nicht beeinflusst wird. Wenn der Gebärmutterhals (Zervix) nicht durch Myome verändert ist und keine Auffälligkeiten im Zellbild vorliegen, legen wir Wert darauf, dass das Zusammenspiel vom Gebärmutterhals mit den Aufhängebändern erhaltenswert ist. Durch diese Art des Teilentfernung eines Organs wird nach unseren Erfahrungen kein Einfluss auf die Entwicklung einer Senkung (Descensus) des Gebärmutterhalses oder der gar der gesamten Scheide ausgeübt. Die laparoskopische suprazervikale Hysterektomie (LASH) stellt aus unserer Sicht eine wenig belastende Alternative zur kompletten Gebärmutterentfernung dar, dazu müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen wie ein unauffälliger Krebsvorsorgeabstrich vorliegen und bösartige Veränderung des Endometriums (Gebärmutterschleimhaut) ausgeschlossen sind.
Ein sehr wenig belastendes Verfahren zum Erhalt der Gebärmutter stellt die Myomembolisation als ein radiologischer Eingriff dar (Abb. 7: Myomembolisation). Diese Methode wird von unserer Abteilung für interventionelle Radiologie angeboten und ist auf der Präsentation dieser Abteilung näher beschrieben. Hier ist diese Methode kurz charakterisiert:
Unter örtlicher Betäubung wird die Leistenarterie mit einer Hohlnadel (Kanüle) punktiert. Bei Röntgen-Durchleuchtung wird ein Katheter (dünner Schlauch) in die Arterie eingeführt und bis in die Gebärmutter-Arterie (Arteria uterina) vorgeschoben. Durch Einbringung von sehr kleinen Partikeln durch den Katheter werden die Arterien der Gebärmutter verstopft, wobei diese Embolisationspartikel mit dem Blutfluß in die kleineren Gefäße abgeschwemmt werden. Der Verschluß-Effekt wird durch Gefäßdarstellung (Angiografie) vor dem Röntgenschirm kontrolliert. Nach Entfernung des Katheters wird die Punktionsstelle in der Leiste komprimiert, bis die Einstichstelle abgedichtet ist. Der gesamte Eingriff dauert normalerweise etwa 90 Minuten. Ein stationärer Aufenthalt ist ratsam, da die Embolisationstherapie insbesonders direkt nach dem Eingriff starke, regelähnliche Schmerzen und Krämpfe verursachen kann. Erfahrungsgemäß setzt eine Schrumpfung der Myome innerhalb eines halben Jahres ein, so daß durch diese Verkleinerung der Myome auch die damit verbundenen Beschwerden verschwinden.
Wir haben unsere Ergebnisse mit dieser wenig belastenden, nicht-operativen Methode ausgewertet und sehen dieses Verfahren als eine Alternative für Frauen mit Myomen in der Gebärmutter an, die keinen Kinderwunsch mehr haben und gerne die Gebärmutter erhalten haben möchten. Über 90% der behandelten Frauen berichten über eine starke Verbesserung der Beschwerden oder Beschwerdefreiheit, und die meisten Patientinnen werteten den Eingriff als "sehr tolerabel". Die Myome schrumpfen in ihrer Größe um durchschnittlich 50% nach 3 Monaten, mit einer entsprechenden Verringerung der Gesamtgröße der Gebärmutter.
Unser interdisziplinäres Zentrum für Myombehandlung am Diakonissenkrankenhaus ermöglicht es uns, Behandlungen unfassend und von höchster Qualität anzubieten. Wir müssen uns immer wieder selbstkritisch reflektieren und unser Vorgehen anhand der erzielten Resultate überprüfen. Optimale Behandlungsergebnisse, hohe Zufriedenheit unserer Patientinnen, aber auch durch exzellente interdisziplinäre Zusammenarbeit sind Aufgaben unseres Behandlungszentrum für Myome. Unser Zentrum steht allen Frauen mit Fragen zur Vorbeugung, Behandlung und Nachsorge von Myomen zur Verfügung. Ziel ist es, Frauen mit Myomen die beste Beratung und Behandlung anzubieten.