Unter frührehabilitativen Gesichtspunkten werden schwer betroffene Patienten nach einem Akutereignis (z.B. Schlaganfall) oder nach Knochenbruch (z.B. hüftgelenksnahe Fraktur des Oberschenkels), aber auch Patienten, die im Rahmen einer anderen Akuterkrankung eine längere Bettlägerigkeit erfahren haben, behandelt.

Längere Bettlägerigkeit führt zu Muskel- und Knochenabbau mit entsprechendem Kräfteverlust. Dies kann zur Abnahme der Selbständigkeit und Alltagskompetenz führen, z.B. zu bleibender Gangunsicherheit oder gar zur Unfähigkeit, im häuslichen Bereich weiterzuleben. Je eher hier rehabilitative Maßnahmen greifen, desto besser kann dies abgewendet werden.

Daher sollte so früh wie möglich bereits im Akutkrankenhaus mit strukturierten Behandlungsmaßnahmen wie Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie begonnen werden. Ebenso ist eine spezielle pflegerische Unterstützung (aktivierende Pflege) erforderlich, um baldmöglichst wieder Alltagskompetenz einzuüben und zu erlangen.



Die Patienten im Frührehabilitationsprogramm sind in der Regel so schwer betroffen, dass sie nicht direkt in eine nachsorgende Rehabilitationsklinik entlassen werden können, sondern aufgrund ihrer schweren funktionellen Defizite bzw. begleitender Akuterkrankungen weiter einer akutstationären Behandlung bedürfen. Mit der frührehabilitativen strukturierten Behandlung in einem multidimensionalen Therapieansatz wird versucht, die Selbsthilfefähigkeit und Mobilität dieser Patienten zu bessern, und so eine weitere Behandlungsperspektive zu eröffnen.

 



Die Durchführung einer Geriatrischen frührehabilitativen Komplexbehandlung ist nur strikter Einhaltung der folgenden Kriterien möglich:

Geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung

  • Behandlung durch ein geriatrisches Team unter fachärztlicher Behandlungsleitung (Zusatzweiterbildung oder Schwerpunktbezeichnung im Bereich Klinische Geriatrie erforderlich). Die fachärztliche Behandlungsleitung muss überwiegend in der zugehörigen geriatrischen Einheit tätig sein
  • Standardisiertes geriatrisches Assessment zu Beginn der Behandlung in mindestens 4 Bereichen (Mobilität, Selbsthilfefähigkeit, Kognition, Emotion) und vor der Entlassung in mindestens 2 Bereichen (Selbständigkeit, Mobilität). Lässt der Zustand des Patienten die Erhebung einzelner Assessmentbestandteile nicht zu, ist dies zu dokumentieren. Wenn der Zustand des Patienten es erlaubt, ist die Erhebung nachzuholen
  • Soziales Assessment zum bisherigen Status in mindestens 5 Bereichen (soziales Umfeld, Wohnumfeld, häusliche/außerhäusliche Aktivitäten, Pflege-/Hilfsmittelbedarf, rechtliche Verfügungen). Lässt der Zustand des Patienten die Erhebung einzelner Assessmentbestandteile nicht zu, ist dies zu dokumentieren. Sofern möglich sind die fehlenden Bestandteile fremdanamnestisch zu erheben bzw. ist die Erhebung nachzuholen, wenn der Zustand des Patienten es erlaubt
  • Wöchentliche Teambesprechung unter Beteiligung aller Berufsgruppen mit wochenbezogener Dokumentation bisheriger Behandlungsergebnisse und weiterer Behandlungsziele
  • Aktivierend-therapeutische Pflege durch besonders geschultes Pflegepersonal
  • Teamintegrierter Einsatz von mindestens 2 der folgenden 4 Therapiebereiche:
    Physiotherapie/Physikalische Therapie, Ergotherapie, Logopädie/fazioorale Therapie, Psychologie/Neuropsychologie

Es muss gleichzeitig (dauernde oder intermittierende) akutmedizinische Diagnostik bzw. Behandlung stattfinden.

Es gibt drei unterschiedliche Varianten:

1. Mindestens 7 Behandlungstage und 10 Therapieeinheiten

Der therapeutische Anteil umfasst insgesamt mindestens 10 Therapieeinheiten von durchschnittlich 30 Minuten, davon maximal 10 % als Gruppentherapie

2. Mindestens 14 Behandlungstage und 20 Therapieeinheiten

Der therapeutische Anteil umfasst insgesamt mindestens 20 Therapieeinheiten von durchschnittlich 30 Minuten, davon maximal 10 % als Gruppentherapie

3. Mindestens 21 Behandlungstage und 30 Therapieeinheiten

Der therapeutische Anteil umfasst insgesamt mindestens 30 Therapieeinheiten von durchschnittlich 30 Minuten, davon maximal 10 % als Gruppentherapie