Fast jede vierte Frau entwickelt Myome im Verlauf ihres Lebens. Es handelt sich um gutartige Geschwülste in der Muskelwand der Gebärmutter. Ihr Erscheinen ist genetisch veranlagt und hängt von einer bestimmten hormonalen Stimulation in den fruchtbaren Lebensjahren einer Frau ab. Meist machen Myome keine Beschwerden. Gelegentlich können sie wiederkehrende Bauchschmerzen, Druck auf Blase und Darm oder starke Blutungen verursachen oder zu unerfülltem Kinderwunsch und häufigen Fehlgeburten führen.

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Das Schema zeigt eine Gebärmutter mit Myomen unterschiedlicher Ausprägung.

Kompetenzzentrum für Myombehandlung

Myome kommen oft vor. Die dadurch verursachten Beschwerden werden ebenfalls häufiger. Deshalb hat die Frauenklinik der Ev. Diakonissenanstalt Karlsruhe-Rüppurr ein Kompetenzzentrum für Myombehandlung gegründet. Hier arbeiten die Frauenklinik und die Klinik für interventionelle Radiologie intensiv zusammen. Ein Fachkreis berät die Befunde der Patientinnen und schlägt Behandlungskonzepte vor. Erfahrungen und Expertenmeinungen werden dabei mit einbezogen, aber auch die Leitlinien der Fachgesellschaften und vor allem die Bedürfnisse der Patientinnen. Dadurch werden Betroffene umfassend und qualitativ hochwertig betreut.

Diagnostik von Myomen

Durch Tasten und mittels Ultraschall lassen sich Myome feststellen. Gegebenenfalls werden darüber hinaus über eine Kernspintomografie Bilder erstellt, die Aufschluss geben über Größe, Anzahl und Lage der Myome in der Gebärmutter. Um die Gutartigkeit sicherzustellen, werden gelegentlich invasive Schritte wie zum Beispiel eine Ausschabung notwendig. Alle vorliegenden Befunde werden mit den Patientinnen besprochen, um das weitere Vorgehen individuell abzustimmen.

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Die Kernspintomographie zeigt den Blick auf eine Gebärmutter mit Myomen.

Behandlungsmöglichkeiten für Myome

Myome müssen nur dann therapiert werden, wenn sie auch Beschwerden verursachen. Unbedingt zu behandeln sind allerdings schnell wachsende Myome oder Myome, die mit den oben beschriebenen Symptomen einhergehen. Myome ohne jegliche Beschwerden sollten nur kontrolliert werden. Die Ausnahme ist eine geplante Schwangerschaft. Hierbei sollten auch beschwerdefreie Myome behandelt werden. Sie können in der Schwangerschaft Probleme bereiten. Sie können stark wachsen, wieder absterben, verkümmern und sich so zu einem Geburtshindernis entwickeln.

Leistungsspektrum

Die Ev. Diakonissenanstalt Karlsruhe-Rüppurr bietet folgende Behandlungsmöglichkeiten an:

  • Operative Therapie

Bei Patientinnen mit Kinderwunsch oder noch nicht abgeschlossener Familienplanung steht ein organerhaltendes Vorgehen im Vordergrund. Bereiten Myome kurz vor den Wechseljahren Beschwerden und ist der Kinderwunsch abgeschlossen, kann man eine Entfernung (Hysterektomie) oder Teilentfernung der Gebärmutter (suprazervikale Hysterektomie, vor allem durch Bauchspiegelung) erwägen.

  • Organerhaltende Operationen

Myome können minimal invasiv oder aber per Bauchschnitt entfernt werden. Die Gebärmutter bleibt dabei erhalten. Welche der Verfahren geeignet ist, hängt von Anzahl, Größe und Lage der Myome ab. Bei den Operationen muss auf jeden Fall gewährleistet sein, dass sich die Wunde an der Gebärmutter wieder sicher verschließt. Bei einer folgenden Schwangerschaft nämlich muss die Narbe absolut reißfest sein.

Myome unterhalb der Deckschicht sowie in der Gebärmutterwand können minimal invasiv durch Bauchspiegelung oder durch Bauchschnitt entfernt werden. Sollten Myome Kontakt zur innersten Schicht der Gebärmutterhöhle haben, lassen sie sich auch mithilfe eines Hysteroskops beseitigen. Dabei schneidet eine Elektroschlinge die Geschwülste in kleine Teile.

  • Laparoskopie (Myomentfernung durch Bauchspiegelung)

Dieses minimal-invasive Verfahren ist für die Patientin wenig belastend. Es wird an der Klinik bevorzugt angewandt. Es ist kein Bauchschnitt notwendig. Zugang erhält die Bauchspiegelung durch den Nabel. Die zwei wesentlichen Vorteile dieser minimal-invasiven Chirurgie sind eine kurze Erholungszeit und eine schnelle Heilungsphase. Komplikationen sind bei hoher Erfahrung des Operateurs sehr gering. Sollten dennoch Schwierigkeiten auftreten, können sie meistens schon während der Operation erkannt und ebenfalls durch Bauchspiegelung behoben werden.

abb. 3            Ein Myom wird mittels  Bauchspiegelung entfernt.            Sicher wird die Wunde wieder verschlossen.

Während der Bauchspiegelung wird das Myom aus der Gebärmutter herausgeschält, anschließend zerkleinert und über eine verwendete Hülse entfernt. Bei großen Myomen beziehungsweise mehreren Myomen bereitet der Wundverschluss gelegentlich Schwierigkeiten. Dann muss entgegen der eigentlichen Planung die Operation durch einen kleinen Unterbauchschnitt beendet werden. Die Dauer des Eingriffes beträgt unterschiedlich zwischen 45 und 180 Minuten. Der Blutverlust ist normalerweise gering. Auch bei schlechten Ausgangswerten muss meist keine Bluttransfusion gegeben werden. Patientinnen bleiben nach dem Eingriff durchschnittlich 3 bis 5 Tage im Krankenhaus.

  • Laparotomie (Myomentfernung durch Bauchschnitt)

Bei großen Myomen oder bei Myomen, die ungünstig und schlecht erreichbar in der Gebärmutterwand liegen, ist eine Öffnung der Bauchhöhle notwendig. Auch wenn sehr viele Myome vorhanden sind, gelangt die Bauchspiegelung an ihre Grenzen.

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Große Myome müssen über einen Bauchschnitt entfernt werden.

  • Hysteroskopie (Operative Gebärmutterspiegelung) 

Myome, die sich in Nähe der Gebärmutterhöhle befinden, können durch Gebärmutterspiegelung von der Scheide aus entfernt werden. Eine elektrische Schlinge trägt dabei schrittweise die Myome ab. Die einzelnen Anteile der zerkleinerten Geschwülste werden mit einer Kurette entfernt.

  • Hysterektomie (Gebärmutterentfernung)

Bei Patientinnen mit abgeschlossener Familienplanung wird meist die Gebärmutter entfernt. Diese Hysterektomie wurde bis vor einigen Jahren entweder durch Bauchschnitt oder über die Scheide vorgenommen. Dank weiterentwickelter Technik und Erfahrung der Operateure muss heute nur noch selten ein Bauchschnitt durchgeführt werden, um eine Gebärmutter mit Myomen zu entfernen.

Eine Gebärmutterentfernung ist heute entweder durch Bauchspiegelung oder durch die Scheide möglich. Am Zentrum für Myombehandlung ist die „laparoskopisch assistierte suprazervikale Hysterektomie“ das bevorzugte Verfahren. Abgekürzt heißt es LASH: Entfernung der Gebärmutter durch Bauchspiegelung unter Belassen des Gebärmutterhalses. Eine vollständige Entfernung, die „totale laparoskopische Hysterektomie“, heißt abgekürzt TLH.

  • LASH (Laparoskopische suprazervikale Hysterektomie) 

Diese Operation weist eine sehr geringe Komplikationsrate auf. Sie wird seit 2002 an der Frauenklinik angewandt. Die Eierstöcke können meistens erhalten bleiben. In der Folge wird dadurch die hormonelle Situation nicht beeinflusst. Ist der Gebärmutterhals nicht durch Myome verändert und liegen keine Auffälligkeiten im Zellbild vor, so soll das Zusammenspiel vom Gebärmutterhals mit den Aufhängebändern erhalten bleiben. Durch diese Teilentfernung des Organs wird kein Einfluss auf die Entwicklung einer Senkung des Gebärmutterhalses oder gar der gesamten Scheide ausgeübt. Die Teilentfernung LASH stellt eine wenig belastende Alternative zur kompletten Gebärmutterentfernung dar. Allerdings müssen bestimmte Voraussetzungen wie ein unauffälliger Krebsvorsorgeabstrich vorliegen. Bösartige Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut müssen ausgeschlossen sein.

  • TLH (Totale laparoskopische Hysterektomie)

Seit 2013 wird an der Frauenklinik auch die totale laparoskopische Hysterektomie durchgeführt. In Vollnarkose wird bei dieser Bauchspiegelung die Bauchhöhle mit CO2-Gas gefüllt und entfaltet. Anschließend leuchtet man die Bauchhöhle mit einer Kamera aus. Das Bild wird auf einen Monitor übertragen. Durch kleine Hautschnitte, die etwa 5 mm lang sind, werden im Unterbauch weitere zwei bis drei Hülsen eingebracht. Über sie wird mittels speziellen Instrumenten operiert.

Über ein Führungsinstrument, das über die Scheide eingebracht wird, kann die Gebärmutter bewegt werden. Umliegende Organe wie Blase, Harnleiter und Darm werden schützend zur Seite gedrängt. Dadurch gelingt es sicher und schonend, die Gebärmutter zu lösen und durch die Scheide zu entfernen.

Nachdem die Gebärmutter vollständig entfernt ist, wird die Scheide mittels Naht verschlossen. Es bleiben nur kleine, kaum sichtbare Hautnarben zurück. Der Schmerzmittelbedarf nach der Operation ist gering. Die Dauer des Eingriffes beträgt zwischen 60 und 120 Minuten. Die Verweildauer im Krankenhaus nach dem Eingriff beträgt 3 bis 5 Tage.

  • Hormontherapie

Bei dieser Therapie wird der hormonelle Einfluss auf das Wachstum der Myome unterbrochen. Östrogene spielen hierbei eine bedeutende Rolle. Mit Hilfe von Antiöstrogenen, Gelbkörperhormonen oder Medikamenten werden Eierstöcke ruhiggestellt. Der Effekt ist ähnlich wie nach den Wechseljahren. Die Myome verkleinern sich. Diese Wirkung kann auch das Medikament Esmya erzielen. Nach Absetzen der Hormone ist diese Wirkung jedoch oft wieder hinfällig. Deshalb werden Myome typischerweise mit Esmya für drei Monate vorbehandelt. Sie schrumpfen. Danach sollte sich die Operation anschließen.

  • Myomembolisation (Veröden von Myomen durch Minderdurchblutung)

Die Myomembolisation ist ein wenig belastendes Verfahren. Die Gebärmutter bleibt bei diesem radiologischen Eingriff erhalten. Diese Methode bietet die Klinik für interventionelle Radiologie an.