Oberer GI-Trakt (Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm)

Oberer GI-Trakt
Die Spiegelung des oberen GI-Traktes wird mit hochauflösenden HDTV-Endoskopen der neusten Generation (Olympus Evis Exera III, 190er Serie) durchgeführt. Hierbei werden bei Bedarf auch farbstoffbasierte Färbemethoden (Chromoendoskopie), als auch elektronische virtuelle Chromoendoskopie (Narrow-Band Imaging - NBI) angewandt. Zur Detektion besonders kleiner Läsionen und zur Charakterisierung der Schleimhautoberfläche verfügen wir über die Magnifikationsendoskopie.


Die transnasale Spiegelung des OGI-Traktes ermöglicht den Verzicht einer Sedierung (Beruhigungsspritze). Auf Wunsch kann dies mit einem besonders dünnen Endoskop (Olympus GIF-XP 190N) erfolgen. Mit diesem Endoskop können auch Engstellen im oberen GI-Trakt primär passiert, beurteilt und ausgemessen werden.

Akute Blutungen aus dem OGI-Trakt können mittels Adrenalin- oder Fibrinkleber-Unterspritzung gestillt werden. Weiterhin stehen mechanische Verfahren wie die Hämoclip und die OTSC-Clip Technik rund um die Uhr zur Verfügung. Für flächige Blutugsquellen steht die Argon-Plasma Koagulation neuster Generation und das chemische Endoclot-Verfahren zur Verfügung. Ein 24h-Endoskopienotdienst kümmert sich dabei rund um die Uhr um diese bedrohlichen Situationen. Blutungen aus Ösophagusvarizen werden mittels Gummibandligatur behandlet.

Zur Behandlung von Engstellen im OGI-Trakt stehen uns die Bougierung (Aufdehnung von Engstellen mittels flexiblen konischen Hartgummistäben) und die Ballondilatation zur Verfügung. Für eine permanente Aufdehnung verwenden wir selbstexpandierende Metallstents (SEMS).

Für die endoskopische Behandlung der Achalasie (Verkrampfung des unteren Speiseröhrenschließmuskels) verwenden wir die Rigiflex-Ballonsprengung oder bei älteren Patienten die wiederholte Injektionsbehandlung mit Botox.

Hochgradige Dysplasien und Frühkarzinome in Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm werden mittels endoskopischer Mukosaresektion (EMR; Ausschälen der Tumoren) behandelt. Im Rahmen eines sogenannten Barrett-Ösophagus wird nach EMR der Rest-Barrett gemäß der neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse mittels Radiofrequenzablation (BÂRRX-Verfahren) abladiert. Größerflächige Veränderungen im Magen werden mit dem kürzlich in Japan entwickelten Verfahren der endoskopischen Submukosa-Dissektion (ESD) in einem Stück ausgeschält.

Unklare Tumoren, Lymphknoten oder Flüssigkeitsblasen, die nahe an Speiseröhre, Magen oder Zwölffingerdarm liegen, können mit einem speziellen Ultraschallendoskop (Endosonographie) mit einer feinen Nadel punktiert werden und so die Ursache herausgefunden werden.

Beim akuten Dünndarmverschluß (Ileus) werden überbrückend bis zur Operation endoskopische Dekompressionssonden oder in speziellen Fällen selbstexpandierende Metallstents (SEMS) eingelegt.

Bei Patienten, die sich vorübergehend oder dauerhaft nicht mehr selbst ernähren können, kann endoskopisch eine Ernährungssonde eingelegt werden. Dies kann entweder durch die Nase oder durch die Bauchwand in den Magen oder oberen Dünndarm erfolgen (PEGPEGJPEJ).


 

Unterer GI-Trakt (Enddarm, Dickdarm)

Unterer GI-Trakt
Die Spiegelung des unteren GI-Traktes wird ebenfalls mit hochauflösenden HDTV-Endoskopen der neusten Generation (Olympus Evis Exera III, 190er Serie) durchgeführt. Hierbei werden bei Bedarf farbstoffbasierte Färbemethoden (Chromoendoskopie), als auch elektronische virtuelle Chromoendoskopie (Narrow-Band Imaging - NBI) angewandt. Zur Detektion besonders kleiner Läsionen und zur Charakterisierung der Schleimhautoberfläche verfügen wir über die Magnifikationsendoskopie.
Für die Passage von Engstellen und für schwierige anatomische Verhältnisse stehen uns der oben erwähnte Scope-Guide und ein besonders dünnes aber hochauflösendes „Kinderkoloskop“ (Olympus PCF-H190L) zur Verfügung.
Auf Wunsch kann die Vorsorge-Darmspiegelung auch besonders schonend durch eine verschluckbare Minikamera (Kolon-Kapselendoskopie) erfolgen.

Die Koloskopie dient vornehmlich zur Früherkennung von Darmpolypen und Darmkrebs. Polypen werden dabei in der Regel sofort endoskopisch entfernt. Kleinste Polypenknospen werden mit der Biopsiezange „abgeknipst“. Vorgewölbte Polypen ab ca. 8mm Größe werden mit einer Schlinge abgeschnitten (Polypektomie). Flache Polypen werden mittels endoskopischer Mukosaresektion (EMR) aus der Darmwand ausgeschält. Sehr große, flächige Polypenrasen im Rektum (Enddarm) werden in unserer Abteilung vorzugsweise mittels endoskopischer Mukosadissektion (ESD) in einem Stück ausgeschält.

Akute Blutungen werden in Analogie zum oberen GI-Trakt mittels Injektionsbehandlung, Hämoclips, OTSC-Clips, Argon-Plasma-Koagulation oder Endoclot-Verfahren rund-um-die-Uhr gestillt.

Engstellen im Dickdarm oder am Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm (terminales Ileum/ Ileocoecalklappe) werden akut (Dickdarmverschluß/Ileus) mittels endoskopischer Einlage einer Dekompressionssonde bis zur nachfolgenden Operation überbrückt. Bei chronischen Engstellen werden die Ballondilatation oder die Metallstent-Einlage angewandt.


 

Mittlerer GI-Trakt (Dünndarm)

Reine Dünndarmerkrankungen sind selten und die endoskopische Diagnostik und Therapie von Dünndarmerkrankungen ist erst seit wenigen Jahren möglich. Im DIAK steht uns die neuste Generation der Kapselendoskopie (Given PillCam SB) zur Diagnostik zur Verfügung. Bei gesicherter Läsion im Dünndarm kann dann mit einem Ballonenteroskop (Olympus SIF 180 single balloon) die Erkrankung weiter diagnostiziert (Gewebeproben) oder behandelt werden. Meist handelt es sich dabei um APC-Koagulation (Verödung) von Angiodysplasien (Blutschwämmchen) bei chronischem Blutverlust, aber auch um die Ballondilatation von kurzstreckigen Stenosen (Engstellen) z.B. bei M. Crohn.


 

Lebererkrankungen

Lebererkranungen
Bei ca. 20% der Erwachsenen in Deutschland sind die Leberwerte erhöht. Da sich dahinter eine ernste Lebererkrankung verbergen kann gilt es, erhöhte Leberwerte frühzeitig abzuklären. In vielen Fällen kann die Ursache mittels spezieller Laborwerte und einer Ultraschalluntersuchung ergründet werden. Oft muss allerdings eine Lebergewebeprobe entnommen werden. 

Zur Ursachenergründung bei unklaren Lebererkrankungen, aber auch zur Einordnung des Schweregrades einer Lebererkrankung steht im DIAK als einziger Klinik in der Region Karlsruhe die Minilaparoskopie zur Verfügung. Hierbei wird mit einem nur 2mm dicken Endoskop die Leber durch die Bauchdecke betrachtet. Zusätzlich kann ganz gezielt aus einem repräsentativen Leberbezirk unter Sicht eine Gewebeprobe entnommen werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Punktionsstelle direkt koaguliert werden kann und so Nachblutungen vermieden werden können. 

Ein weiteres sinnvolles Einsatzgebiet der Minilaparoskopie ist das Aufspüren kleinster oberflächlicher Lebermetastasen und Bauchfellmetastasen (Peritonealkarzinose) bei Tumorerkrankungen der Speiseröhre, des Magens, der Bauchspeicheldrüse und der Gallenwege.


 

Gallenwegserkrankungen

Ca. 20% der Bevölkerung weisen Gallenblasensteine auf. Wiederum 10-20% dieser Patienten leiden unter Gallengangssteinen. Während symptomatische Gallenblasensteine operativ behandelt werden sind die Gallengangssteine die Domäne der Endoskopie. Hierbei wird mit einem speziellen Seitblickendoskop (Duodenoskop) durch den Mund bis vor die Mündung des Gallengangs (Papille) im Zwölffingerdarm gespiegelt (ERCP) und der Schließmuskel aufgeschnitten (Papillotomie). In der Regel wird dann der Stein unter Röntgensicht mit einem Fangkorb oder einem dünnen Ballonkatheter aus dem Gallengang in den Zwölffingerdarm geborgen (Steinextraktion). Bei einer durch Gallensteine ausgelösten Bauchspeicheldrüsenentzündung (biliäre Pankreatitis) sollte dies innerhalb 72 Stunden nach Schmerzbeginn erfolgen, bei steinbedingter eitriger Gallengangsentzündung (Cholangitis) sofort. Hierzu steht im DIAK rund-um-die-Uhr ein Notfallteam zur Verfügung. 

Die empfindlichste Methode zum Aufspüren auch kleiner Gallengangssteine ist die Endosonographie (Ultraschall von Innen). In jedem zweifelhaften Fall führen wir unmittelbar vor geplanter Gallengangsspiegelung (ERCP) eine Endosonographie (EUS) durch.
In ca. 10% gelingt die Steinentfernung in der o.g. Weise nicht und man spricht von „komplizierter Choledocholithiasis“. Diese komplizierten Steine müssen dann innerhalb des Gallengangs mechanisch zerkleinert werden (mechanische Lithotripsie) oder unter direkter Sicht mit einem Miniendoskop (Cholangioskopie) elektrohydraulisch zertrümmert werden (elektrohydraulische Lithotripsie – EHL). Alle diese Methoden stehen in unserer Abteilung zur Verfügung.

Engstellen der Gallenwege können entzündlich, narbig oder durch einen Tumor bedingt sein. Eine Unterscheidung ist oft schwierig und gelingt am ehesten mit einem durch das Duodenoskop geführten Miniendoskop im Gallengang (Cholangioskopie), mit dem auch gezielt Proben entnommen werden können. Hierzu steht uns ein modulares Cholangioskopiesystem neuster Bauart (SpyGlass System) zur Verfügung. 
Da es sich bei der für die ERCP nötigen Röntgendurchleuchtung um ein zweidimensionales Bild handelt, ist die Beurteilung v.a. von Engstellen oft schwierig. Im DIAK ist eine der ersten Durchleuchtungsanlagen vorhanden, die durch Rotation des Röntgenarmes ein dreidimensionales Bild erzeugen kann.
Gallenwegsstenosen (Engstellen) können, je nach Art, mittels Ballondilatation, mit Plastikendoprothesen oder selbstexpandierenden Metallstents (SEMS) zeitweise oder langfristig behandelt werden.

Gallengangskarzinome (Klatskintumoren) werden meist erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt. Die Behandlungsmöglichkeiten in inoperablen Stadien sind sehr begrenzt. Eine Besonderheit ist die photodynamische Therapie (PDT), bei der der Tumor mit einer Kombination aus Medikament (Photosenibilisator) und speziellem Laserlicht behandelt wird. Zwar kann auch hiermit keine langfristige Heilung erzielt werden, die wissenschaftlichen Ergebnisse – an denen wir selbst maßgeblich beteiligt waren - zeigen aber, dass mit der PDT eine deutliche Lebenszeitverlängerung erreicht werden kann. Wir bieten im DIAK diese Methode ebenfalls an.

In Fällen, in denen das Gallenwegssystem nicht mehr über den Mund erreicht werden kann, z.B. nach Operationen oder bei ausgedehnten Tumoren, kann das Gallenwegssystem von Außen mittels PTCD drainiert werden. In einigen Fällen nach Operationen (z.B. Whipple´sche Operation) kann das Gallenwegssystem mit dem Ballonenteroskop erreicht werden.

Gutartige und lokal begrenzte bösartige Tumoren der Papille (PapillenadenomPapillenkarzinom), werden endoskopisch ausgeschält (Papillektomie)


 

Bauchspeicheldrüsenerkrankungen

Bauchspeicheldrüsenerkrankungen
Die empfindlichste Methode zur Beurteilung von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen ist die Endosonographie. Bei unklaren Raumforderungen kann mittels Endosonographie der Prozess mit einer sehr feinen Nadel gezielt punktiert (endosonographische Feinnadelpunktion – EUS-FNA) werden und Zellmaterial zur weiteren Untersuchung gewonnen werden. 

Veränderungen innerhalb des Bauchspeicheldrüsengangs können mit einem speziellen Miniendoskop (Pankreatikoskop / SpyGlass System) untersucht und gezielt Gewebeproben entnommen werden. Diese Methode eignet sich auch, blockierende Steine innerhalb des Bauchspeicheldrüsengangs bei chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronischer Pankreatitis) zu entfernen. 

Bei narbigen Engstellen des Bauchspeicheldrüsengangs im Rahmen einer chronischen Pankreatitis können dünne Plastikröhrchen (Endoprothesen) in den Bauchspeicheldrüsengang eingelegt werden.

Im Rahmen von akuten und chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündungen kommt es häufig zur Ausbildung von großen Zysten (Pseudozysten), die aufgrund ihrer Größe zu Beschwerden führen können. Diese Zysten können mittels Endosonographie durch die Magenwand hindurch entleert werden (transgastrale Zystendrainage). Wenn sich solche Zysten infizieren, muss diese Maßnahme oft notfallmäßig durchgeführt werden. Bei der schweren nekrotisierenden Bauchspeicheldrüsenentzündung kann das verflüssigte abgestorbene Gewebe und die häufig damit verbundene Infektion endosonographisch gesteuert schonend durch die Magenwand hindurch ausgeräumt und somit eine große Operation erspart werden (transgastrale Nekrosenausräumung).


 

Funktionsdiagnostik

Funktionsdiagnostik
40% der Weltbevölkerung haben gelegentlich Sodbrennen, bei 5-10% der Weltbevölkerung liegt eine Refluxerkrankung der Speiseröhre vor, die dauerhaft Beschwerden bereitet und die Lebensqualität einschränkt. Bei einem hohen Anteil der Refluxpatienten findet sich endoskopisch keine sichtbare Entzündung (Refluxösophagitis); es handelt sich um die sogenannte nicht-erosive Refluxerkrankung (NERD). Ein Teil der Refluxpatienten spürt bereits den natürlichen Rückfluss der Magensäure als Schmerz (Hypersensitiver Ösophagus). Darüber hinaus führt in vielen Fällen ein verstärkter Säurerückfluss nicht zum typischen Sodbrennen sondern äußert sich „versteckt“ durch chronische Heiserkeit, nächtlichen Husten und sogar Reflux bedingtes Asthma. Dies, wie auch die säure-überempfindliche Speiseröhre (hypersensitiver Ösophagus) kann nur mit einer Langzeit-Säuremessung, der 24h-pH-Metrie festgestellt werden. Da allerdings auch der nichtsaure Reflux von Verdauungssäften in die Speiseröhre Beschwerden bereiten kann, gibt es seit kurzer Zeit in wenigen Kliniken die sogenannte Impedanz-Messung, die in modernen Geräten mit der pH-Metrie kombiniert ist. Beide modernsten Verfahren sind im DIAK vorhanden. 

Für die Diagnostik von Bewegungsstörungen der Speiseröhre, die sich als akute Brustschmerzen äußern können, steht uns eine moderne Ösophagusmanometrie-Anlage zur Verfügung.