Zentrum für Alterstraumatologie am Diakonissenkrankenhaus Karlsruhe-Rüppurr

– Ein interdisziplinäres Zentrum von dem Geriatrischen Zentrum Karlsruhe und der Klinik für Unfallchirurgie am Diakonissenkrankenhaus

Zertifiziertes Zentrum für Alterstraumatologie

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Ein Drittel der über 65-Jährigen stürzt mindestens einmal pro Jahr, von den über 80-Jährigen sind es über 40%. Meistens liegt eine multifunktionelle Gehstörung zugrunde, bei der mehrere Sturz-Risikofaktoren gleichzeitig vorliegen, z.B. Kraftminderung, Gleichgewichtsstörung, eingeschränkte Koordination, verminderte Sehfähigkeit, Polyneuropathie, aber auch bestimmte Medikamente. Wenn zusätzlich zu einer erhöhten Sturzgefahr auch noch eine Osteoporose vorhanden ist – was bei jeder 3. Frau und jedem 5. Mann über 50 Jahren der Fall ist – und dadurch eine herabgesetzte mechanische Widerstandsfähigkeit des Knochens, dann besteht ein erhöhtes Kno-chenbruchrisiko. Da sowohl die Sturzhäufigkeit als auch die Erkrankung an Osteoporose mit dem Alter zunehmen, kommt es mit zunehmendem Alter zu einem enormen Anstieg des Knochenbruchrisikos.

Bereits jetzt trägt eine 50-jährige Frau westlicher Populationen bei derzeitiger Lebenserwartung ein Lebenszeitrisiko von 40% für einen Knochenbruch an Hüfte, Wirbelsäule oder Handgelenk, ein 50-jähriger Mann von 13%. Von einer Zunahme dieses Risikos muss angesichts weiter steigender Lebenserwartung ausgegangen werden. Verletzungen im Alter werden künftig den höchsten Bettenbedarf im Krankenhaus verursachen – noch vor Schlaganfall und Herzkreislauferkrankungen. In Deutschland wird sich allein die jährlich zu versorgende Zahl hüftgelenksnaher Frakturen von heute 150.000 bis 2030 auf jährlich 450.000 verdreifachen. Die Kosten nur für die Akutversorgung dieser Verletzungen belaufen sich dann voraussichtlich auf 6 Mrd. € jährlich zzgl. 3 Mrd. € für die anschließende Unterbringung in stationären Pflegeeinrichtungen.

Dramatisch ist, dass Osteoporose-assoziierte Frakturen bei Frauen und Männern mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden sind. So führt ein hüftgelenksnaher Oberschenkelbruch (häufig ein Schenkelhalsbruch) in 25 % der Fälle binnen eines Jahres zum Tode – statistisch betrachtet hat er insgesamt einen lebenszeitverkürzenden Effekt von sieben Jahren, was dem eines bösartigen Tumorleidens entspricht. Darüber hinaus kommt es nach Knochenbrüchen im Alter meist zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität mit Schmerzen und funktionellen Einschränkungen, die häufig zu Hilfs- und Pflegebedürftigkeit führen. Ursächlich für diese schlechten Behandlungsergebnisse älterer Patienten mit Knochenbrüchen sind deren weitere Erkrankungen, z.B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Herzschwäche, Mangelernährung, Demenz.

Die demographische Entwicklung und die schlechte Prognose der sogenannten Altersfrakturen erfordern neue Versorgungsstrukturen. Im Wissen um die Zusammenhänge von frühzeitigem Operationszeitpunkt gerade für den schwerstkranken alten Menschen, frühzeitig einsetzender, multidisziplinärer geriatrischer Rehabilitation und der Wiedererlangung der Mobilität und sozialer Reintegration (möglicherweise sogar der Sterblichkeitsquote) müssen die Kompetenzen unfallchirurgischer und geriatrischer Akutversorgung sowie altersgerechter Rehabilitation gebündelt und zur Behandlung des Alterstraumas interdisziplinär zusammengeführt werden.

Der erste Kongress der AG Alterstraumatologie mit dem Thema „Alterstrauma“ 2005 in Münster stand für die zunehmende Auseinandersetzung mit diesem Problem innerhalb der deutschen Unfallchirurgie. In Deutschland wurden zunächst voneinander unabhängig Ansätze für interdisziplinäre Versorgungsstrukturen entwickelt (z. B in Karlsruhe, Oberhausen, Augsburg), wobei gleichzeitig auch entsprechende Aktivitäten im Ausland stattfanden (USA, England, Niederlande, Schweiz und Österreich).

Im Diakonissenkrankenhaus Karlsruhe-Rüppurr wurden schon seit 1996 Alterstrauma-Patienten vom Geriatrischen Zentrum konsiliarisch mit betreut, 2007 wurde hier eine interdisziplinär geriatrisch – unfallchirurgische Station zur Behandlung von verletzten alten Menschen mit multiplen Nebenerkrankungen eingerichtet – eine der ersten Kliniken dieser Art in Deutschland.

Dieses Projekt der gemeinsamen Betreuung der alten Patienten ermöglicht eine interdisziplinäre und multiprofessionelle Therapie bereits im präoperativen Zeitfenster, falls erforderlich. Die gemeinsame Arbeit hat gezeigt, dass insbesondere die Patienten mit multiplen Nebenerkrankungen von dieser speziellen Therapie profitieren. Kernpunkte bei der Umsetzung des Zentrums für Alterstraumatologie war die Interdisziplinarität von Unfallchirurgie, Akut-Geriatrie und geriatrischer Rehabilitation mit gleichberechtigten Partnern innerhalb eines Leitungsgremiums.

Als hilfreich hierbei erwies sich der Aufbau eines Qualitätsmanagement-Systems, um eine strukturierte Behandlung der Patienten zu gewährleisten. Alle Prozesse mit ihren Schnittstellen wurden mit klinischen (Behandlungs-)Pfaden hinterlegt, von denen nur in begründeten Einzelfällen abgewichen werden darf. Es erfolgt eine kontinuierliche Überwachung der Behandlungsqualität an Hand von Kennzahlen. Dies erfordert von allen Beteiligten ein hohes Maß an kollegialem Arbeitseinsatz und wurde jetzt mit einem Zertifikat nach ISO 9001:2008 Reg. Nr.: 20074-101 belohnt. Das Diakonissenkrankenhaus stellt sich hiermit einer gesellschaftlichen Herausforderung und hat hierfür Strukturen einer qualifizierten Behandlung älterer Menschen geschaffen.

Hier können Sie sich das aktuelle Zertifikat ansehen.

Beachten Sie auch den Landegeriatrietag am Mittwoch, den 22.09.2010 09:30 Uhr bis 17:00 Uhr in der Schlossgartenhalle Ettlingen / Karlsruhe.


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