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 Gedanken zu Karfreitag und Ostern 2020

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

ich weiß nicht, wie es Ihnen geht in diesen Tagen. Viele sind  zwischen zwei Polen hin und her gerissen. Am Tag sind Menschen stark und sicher: wir können verstehen, welche Verhaltensmaßregeln jetzt notwendig sind, um Menschen zu schützen. Wir tragen das gerne und selbstverständlich mit, denn wir haben eine gemeinsame Verantwortung in dieser durch Covid 19 bewegten Zeit. Wir gehen auf Abstand, um uns und andere zu schützen. Auf der anderen Seite wachen Menschen  in der Nacht auf oder spüren auch am Tage eine Grundangst in sich. Diese können wir nicht leicht wegschieben, denn die Gefühle kommen aus unserem  Unterbewusstsein und wir wissen, dass wir sie nicht  einfach beherrschen können. Wir können sie nur zulassen und uns den Ängsten stellen.

Ich höre die  biblische Jahreslosung 2020 in diesen Wochen nochmals anders als zu Beginn des Jahres: “Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9, 24).Ein Vater bittet mit den Worten Jesus, als das Leben seines Sohnes bedroht ist. Ich hoffe, vertraue und glaube. Aber ich habe mein Vertrauen nicht in der Hand. Ich brauche es, dass du mein Vertrauen und  meinen Glauben stärkst.

In dieser Spannung zwischen Ängsten und Vertrauen, zwischen Zweifeln und Hoffnung  finde ich mich wieder. Ich frage mich: Bin ich wirklich in Gott geborgen? Bin ich in diesen Zeiten auch gut bei ihm aufgehoben? Und ich vermute, dass viele Menschen in ihrem Gottvertrauen hin und her gerissen sind.

Die Bibel sagt mir: Jesus Christus ist nichts Menschliches fremd, auch nicht unsere Angst. "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" - so schrie er am Kreuz. Das sind Worte eines verunsicherten, eines einsamen, eines verzweifelten Menschen, der nicht mehr an Gott glauben mag. Und doch: Jesus tut hier etwas, was auch uns helfen kann: Er gebraucht bekannte Worte. Diese Worte sind der Anfang von Psalm 22. Und sie helfen ihm, seine verzweifelte Situation trotz aller Zweifel in eine Beziehung zu Gott zu stellen. Beten können wir auch mit Worten anderer, wenn wir selbst keine Worte mehr finden. Jesus macht uns dies vor. Trotzdem wird seine Situation subjektiv nicht besser. Es stirbt elend am Kreuz. Aber Gott lässt ihn nicht los. Er lässt ihn nicht einfach nur sterben. 

An Ostern feiern wir die Auferstehung, eigentlich müssten wir dazu Auferweckung sagen, denn Gott ist der Handelnde: Jesus lebt! So glaube ich auch, dass trotz allem, was wir in diesen Tagen erleben, Ostern auch uns gilt: Gott überlässt uns nicht einfach dem Leiden. Er lässt uns in leidvollen Erfahrungen und Abschiedssituationen nicht allein. Er ist bei uns und meint es gut mit uns. Dabei bleiben uns schwere Erfahrungen nicht einfach erspart. Doch seine Zusage gilt: Er hat uns lieb. Und diejenigen, die wir lieb haben, denen wenden wir uns immer wieder zu. So tut es Gott auch.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Ostern, auch wenn Sie vielleicht - wie ich auch - ihre Lieben nur aus der Ferne grüßen können. Aber einen Gruß können wir allen mitgeben: Sei Gott anbefohlen! 

Seien Sie herzlich gegrüßt! 

Ihre

Ulrike Rau, Pfrin.

Oberin und Theologischer Vorstand

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